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Warum wir den Begriff « Schulmedizin » aus unserem Wortgebrauch streichen sollten

Den Begriff „Schulmedizin“ hört und liest man sehr oft, besonders aber im Kontext der Naturheilkunde oder wie viele sagen, der Alternativmedizin. Gemeint ist mit Schulmedizin die Medizin im eigentlichen Sinne, welche akademisch (also in der Schule) erlernt, wissenschaftlich erforscht und allgemein anerkannt ist.

 

Doch woher stammt der Ausdruck „Schulmedizin“?

Tatsächlich geht der Begriff „Schulmedizin“ auf den Gründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, zurück. Sämtliche Behandlungen, welche nicht homöopathischer Natur waren, bezeichneten er und seine Anhänger anfänglich als Allopathie (altgriechisch. Állos = anders; pathos = Leiden)[1]. Später hat sich dann neben dem relativ wertneutralen Begriff „Staatsmedizin“ der Begriff „Schulmedizin“ durchgesetzt[2].

 

Die Heilerhierarchie – ein kurzer Rückblick in die Vergangenheit

Ohne zu weit ausholen zu wollen, sollten wir doch einen kurzen Blick in die Vergangenheit werfen, um besser zu verstehen, wie sich der Begriff „Schulmedizin“ herauskristallisiert hat und inwiefern er vor allem als Kampfbegriff verwendet wurde.
Seit dem Mittelalter gab es eine Hierarchie im Bereich der Heilung. An der Spitze standen damals wie heute die gelehrten Mediziner. Natürlich hat sich auf dieser Ebene seitdem sehr viel getan – die Medizin hat sich wahnsinnig weiterentwickelt, wurde professionalisiert, staatlich reguliert und die Grenzen zu anderen sogenannten Heilmethoden somit klarer gezogen. Doch wo es Grenzen gibt, gibt es oftmals auch eine Kluft.

 

Der Streit zwischen Homöopathie und Allopathie – „Schulmedizin“ als Kampfbegriff

Die damaligen Alternativmediziner, allen voran der bereits erwähnte Gründer der Homöopathie, führten mit der „Allopathie“ und der „Schulmedizin“ Sammelbegriffe ein, welche sich auf das gesamte Spektrum an konventionellen Heilmethoden bezogen. Dadurch grenzten sie sich bewusst von der sogenannten Staatsmedizin ab.
1878 wurde offen ausgesprochen, dass jene Ärzte (damals waren es fast ausschließlich Männer), welche sich nicht der naturwissenschaftlichen Methoden bedienen, die Bezeichnung des Arztes nicht mehr verdienten.[3] Um als Anhänger der Homöopathie oder anderer Formen der Naturheilkunde nicht als Quacksalber degradiert zu werden, brauchte es einen Kampfbegriff. Durch das verwenden des Begriffes „Schulmedizin“ entsteht der Anschein, dass es eine Alternativmedizin gibt, welche „immer noch auf Augenhöhe mit der echten Medizin steht“.[4] Oder wie Köbberling es prägnant formuliert:

„Mit der Verwendung solcher leeren Worthülsen wird nur die Eitelkeit derer befriedigt, die vom Inhalt her gern auf Wissenschaft verzichten möchten, sich aber das Renommée der Wissenschaftlichkeit nicht gerne entgehen lassen.“[5]

 

Vom Kampfbegriff zum Sammelbegriff – von Ideologie zu Wertefreiheit?

Hinter vielen Begriffen verstecken sich bestimmte Ideologien, politische Einstellungen und Denkstile. So war auch der Begriff der „Schulmedizin“ wie wir gesehen haben besonders Ende des 19. Jahrhunderts stark ideologisch aufgeladen. Mit der Jahrhundertwende wurde er dann für kurze Zeit zu einer wertneutralen Sammelbezeichnung. Doch dann kamen die Nationalsozialisten.

 

Schulmedizin und Antisemitismus

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wurde der Begriff „Schulmedizin“ wieder sehr stark ideologisch aufgeladen. Den Nazis passte es so gar nicht, dass an den Universitäten und innerhalb der Ärzteschaft so viele Juden vertreten waren. In diesem Zusammenhang fiel der Ausdruck „verjudete Schulmedizin“.[6] An dieser Stelle schließe ich mich dem Standard-Kolumnist Christian Kreil an, wenn er behauptet, dass „das Wort „Schulmedizin“ […] den Anspruch darauf [verloren hat], ideologiefrei verwendet zu werden. Auch dann, wenn [man] es ideologiefrei verwenden [will].[7]

 

„Aber das ist ja gar nicht so gemeint“

Nun könnte man argumentieren, dass doch fast kaum jemand den historischen Hintergrund des Ausdrucks „Schulmedizin“ kennt und allein dadurch eine gewisse Ideologiefreiheit mit einhergehen muss. Allerdings ist diese Art der Argumentation eine ähnliche wie in Feminismus-, Rassismus- oder Gender-Debatten. Nach dem Motto „Das ist ja nicht so gemeint“, „Das sagt jeder so“, „Du und deine political correctness“.[8] Wer kennt nicht den Spruch „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Auch in diesem Kontext sollte Unwissenheit keine Ausrede sein. Auch ich hatte keine Ahnung von der Wortherkunft des Begriffes „Schulmedizin“. Dennoch ist es wichtig, dass man sich selbst aufklärt. Denn Begriffe formen unser Denken unbewusst mit.

 

Für oder gegen die „Schulmedizin“?

In diesem Beitrag ging es keineswegs darum, zu der „Schulmedizin“ (also der Medizin) Stellung zu beziehen. Es geht nicht um ein Pro-Contra im inhaltlichen Sinne, sondern nur um die Form. Ich könnte es mir sicherlich sparen, an dieser Stelle ganz explizit zu unterstreichen, wie wichtig die Medizin ist. Und gerade weil sie so wichtig ist, sollten wir den nicht-ideologiefreien Begriff „Schulmedizin“ aus unserem Wortgebrauch streichen. Das mindert, zumindest in meinen Augen, nicht den Wert komplementärer Behandlungen. Mit Betonung auf komplementär, sprich ergänzend, und nicht alternativ.

 

Quellen

[1] Gemoll, M. (1965). Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. München/Wien: G. Freytag Verlag/Hölder-Pichler-Tempsky.
[2] Jütte, R. (1996). Geschichte der Alternativen Medizin. München: Beck.
[3] Jütte, R. (2004). Von den medizinischen Sekten des 19. Jahrhunderts zu den unkonventionellen Richtungen von heute – Anmerkungen eines Medizinhistorikers. Materialdienst der EZW, (10), S. 366-375.
[4] Kreil, C. (2021). Fakemedizin. Falsche Heilversprechen skrupelloser Ärzte und gerissener Gurus. München: Komplett-Media.
[5] Köbberling, J. (2005). Der Begriff der Wissenschaft in der Medizin. Wuppertal: AWMF.
[6] Heidel, C.P. (2008). Naturheilkunde und Judentum: Medizin und Judentum. Frankfurt: Mabuse-Verlag.
[7] Kreil, C. (2021). Fakemedizin. Falsche Heilversprechen skrupelloser Ärzte und gerissener Gurus. München: Komplett-Media. S. 42.
[8] Arndt, S. (2013). Zum machtvollen Zusammenwirken von Sprache und Diskriminierung. Wenn Rassismus aus Worten spricht. Fragen, Kontroversen, Perspektiven. Frankfurt: ZWST Perspektivwechsel.

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